Family Group Sheet
Family Group Sheet
NameDr. jur. Ludwig Königsberger2
Birth27 Mar 1891, Eisleben2,3,13,28
Deported1 Jun 1942, Halle-Sobibor13 Age: 51
Death3 Jun 1942, Vernichtungslager Sobibor3,53,13 Age: 51
Stolperstein22 Nov 2008, Eisleben, Markt 39 Age: 117
Religionmosaisch2
EducationStudium der Rechte, Abschluss: Promotion9
OccupationRechtsanwalt und Notar2,9
Business1929, Rechtsanwaltskanzlei, Plan 4, Eisleben18
1901---15
1904---16
1914/15---55
1922/23Königsberger, Wilhelm und Ludwig, Markt 3937
1929/30Whg: Poststr. 3, Gesch: Plan 4, Eisleben18
Adr. bef. 1933Markt 39, Eisleben63
1936/37Rechtsbüro, Markt 39, Eisleben20
Zensus 38/39#21, Eisleben, Markt, 12,-RM Kopfsteuer21
Adr. 1939Markt 39, Eisleben2,13
Adr. 1939ffKastanienweg 3b, Eisleben (ab 1940)3,64
MotherRecha (Meta) Lang (1866-1943)
SpouseJenny Eckstein2
Birth27 Oct 1895, Groß-Lichterfelde, Berlin2,13,53,28
Deported1 Jun 1942, Halle-Sobibor13 Age: 46
Death3 Jun 1942, Vernichtungslager Sobibor3,13 Age: 46
Stolperstein22 Nov 2008, Eisleben, Markt 39 Age: 113
Religionmosaisch2
1901---15
Adr. bef. 1933Markt 39, Eisleben10
1936/37---
Adr. 1939Markt 39, Eisleben2,13
Adr. 1939ffKastanienweg 3b, Eisleben3
FatherJulius Eckstein (1856-1907)
Children
Birth1 Nov 1925, Eisleben2,13,53
Death3 Jun 1942, Vernichtungslager Sobibor3,13 Age: 16
Military notes for Dr. jur. Ludwig Königsberger
1914-1918 Aktiver Teilnehmer des 1. Weltkrieges, verwundet und Träger des Eisernen Kreuzes 1. Klasse.63
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1915: Deutsche Verlustmeldungen (Nr. 274) 14.Juli 1915
Königsberger, Ludwig - Eisleben - leicht verwundet
Infanterieregiment Nr. 72
1. Bataillon
9. Kompagnie65
Notes for Dr. jur. Ludwig Königsberger
Königsberger, Ludwig
* 27.03.1891 in Eisleben
wohnhaft Eisleben
Deportation: ab Kassel-Halle-Chemnitz 01.06.1942, Izbica/ Sobibor
Todesdatum: 03.06.1942, Distrikt Lublin13
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Im Obergeschoss des Hauses seines Vaters, Markt 39, hatte er seine Kanzlei.9
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BIOGRAFIE

1910: Jüdischer Rechtsanwalt in Eisleben, legte Ostern 1910 an der Städtischen Oberrealschule das Abitur ab. Sohn eines Jüdischen Eisleber Kaufmanns.63
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1914-1918 Aktiver Teilnehmer des 1. Weltkrieges, verwundet und Träger des Eisernen Kreuzes 1. Klasse.63
1915: Deutsche Verlustmeldungen (nr. 274) 14.Juli 1915
Königsberger, Ludwig - Eisleben - leicht verwundet
Infanterieregiment Nr. 72
1. Bataillon 9. Kompagnie65
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1922: Königsberger, Ludwig Dr., Rechtsanwalt und Notar in Eisleben, Sohn des jüdischen Kaufmanns Wilhelm Königsberger, wohnhaft 1922 Am Markt 39, unter gleicher Adresse wie sein Vater [...]66
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1926/27: Kanzlei in der Bahnhofstraße 7 in Eisleben.66
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1929/30: Dr. jur. Königsberger, Ludwig, Rechtsanwalt und Notar, Vorsitzender des Miets-Einigungsamtes der Stadt Eisleben. Wohnung: Poststraße 3. Geschäftslokal: Plan 4. Tel: 736.18
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1931: Königsberger stellte der RHD [Rote Hilfe Deutschlands) im Jahre 1931 85,- RM in Rechnung.66

Ludwig Königsberger war Mitglied der “Roten Hilfe”:66 Im April 1921 entstanden in Deutschland als Folge der politischen Repression nach den Märzkämpfen Rote-Hilfe-Komitees auf Initiative der KPD. Der Schwerpunkt der Arbeit war die Unterstützung von Inhaftierten aus dem linken politischen Lager. Im März 1930 war die RHD an der Gründung einer deutschen Sektion der „Internationalen Juristischen Vereinigung“ (IJV) beteiligt, die sich mit Straf-, Völker-, Verfassungs- und Arbeitsrecht befasste. 1933 wurde die RHD im Zuge der Reichstagsbrandverordnung verboten, Anwälte wie Litten, Halle und Alfred Apfel in derselben Nacht verhaftet. Bis 1935/36 wurde die Rote Hilfe von der Geheimen Staatspolizei aufgelöst. Einige Mitglieder arbeiteten einige Zeit im Untergrund weiter.

Bekannt wurde der für die Rote Hilfe aktive Rechtsanwalt Hans Litten, der Mitte der 1920er Jahre spektakuläre politische Prozesse führte. Gegen Ende der Republik erhielt Litten ständigen Personenschutz durch Mitglieder des Rote Frontkämpferbundes.

Im Zeitraum des Bestehens arbeiteten etwa 330 Anwälte fallbezogen für die Rote Hilfe. Von diesen waren 60% jüdischer Abstammung, was bedeutsam wurde, als am 7. August 1933 das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums in Kraft trat und sie vielfach ihre Zulassungen bei deutschen Gerichten verloren. (Weltkriegs-Teilnehmer wurden als "Rechtskonsulenten" bis Ende 1941 geführt.) Andere Anwälte betraf dasselbe Gesetz aufgrund "kommunistischer Betätigung". Sie wechselten nach dem Lizenzverlust häufig als Justitiare in Unternehmen.

Nach J. Schwarz wurden 22 Anwälte nachweislich in Konzentrationslager verbracht. Zum Teil gehörten sie später zu den 55 emigrierten Anwälten. Juden, die bis 1942 nicht aus Deutschland ausreisten, überlebten nur in wenigen Fällen die KZs. Zwei Anwälte wurden in der Sowjetunion Opfer der stalinschen Tschistka. Etwa 30 kehrten aus dem Exil nach Deutschland zurück, 9 davon dauerhaft in die DDR.67
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1934: Report of The Central Association of German Citizens of Jewish Faith, Leipzig,
7 December 1934.
Source : Yad Vashem Archive O51/OSO/206 Central Germany Regional Association Central Association of German citizens of Jewish Faith. Leipzig 7 December 1934

To the Centre Berlin Re: Local Chapter in Eisleben On Tuesday, 4 December I gave a lecture at a community meeting in Eisleben. There was a large audience, which also included interested friends from Hettstedt and Sandersleben who come to hear every speech I give. The subject was 'German-Jewish Existence Today And Tomorrow'. The moderator at the meeting, a teacher by the name of Mosbach, is doing a good job in organising the chapter. He certainly is more talented and more interested in leading the organisation than his predecessor, Herr Goldstein. In concluding he said that the speech, in which I naturally referred to Hannukah, had been an uplifting experience for the participants. The economic situation has improved compared to last year.
Our friend, Attorney Dr. Königsberger, who was severely crippled in the war, was recently attacked in the middle of the street. His assailant, Dr. Mueller, a former major who is now a dentist and with whom he had a lawsuit in court, called him an impertinent Jewish scum and attempted to beat him. I have instructed that a complaint be filed in the name of Dr. Königsberger with the local disciplinary court of the local chapter of the German Officers Association. [Dr. Koenigsberger's] membership in the bar is still under consideration. He was disbarred because he had defended Communists in matters that had nothing to do with politics. His case is being represented by the National Socialist Association of War Invalids who are very committed to the case.

An die Zentrale in Berlin: Ortsverband in Eisleben.
Am 04.12.1934 gab ich eine Lesung zu einer Ortsversammlung in Eisleben. Dort gibt es ein großes Publikum, zu dem auch interessierte Freunde aus Hettstedt und Sanderleben gehören, die zu jeder Rede kommen, die ich halte. 
Das Thema lautete "Deutsch-Jüdische Koexistenz heute und morgen”. Der Moderator bei diesem Treffen, ein Lehrer mit Namen [Gustav] Mosbach, macht eine gute Arbeit beim Organisieren des Ortsverbandes. Er ist freilich begabter und interessierter beim Leiten der Organisation als sein Vorgänger, Herr Goldstein [Benno Goldstein (?)]. Zusammenfassend sagte er, dass die Rede, in der ich mich natürlich auf Hannukah bezog, ein erbauliches Erlebnis für die Teilnehmer gewesen sei. Die wirtschaftliche Situation habe sich im Vergleich zum letzten Jahr verbessert.

Unser Freund, der Rechtsanwalt Dr. [Ludwig] Königsberger, der im Krieg schwer verwundet worden war, wurde kürzlich auf offener Straße angegriffen. Sein Angreifer, Dr. Müller [Eisleber Adressbuch 1930: Dr. Ernst Müller, Zahnarzt, Poststraße 3, Tel.: 767], der früher Major war und nun Dentist ist und mit dem er eine gerichtliche Auseinandersetzung gehabt hatte, nannte ihn impertinenten jüdischen Abschaum und versuchte ihn zu schlagen. Ich veranlasste eine Beschwerdeschrift (Anklageschrift?) im Namen von Dr. Königsberger an das örtliche Ehrengericht [Disziplinarkammer?] den Ortsverband der Deutschen Offiziersgesellschaft. Dr. Königsbergers Mitgliedschaft steht bei der Anwaltsvereinigung immer noch unter Prüfung. Ihm ist die Lizens entzogen worden, weil er Kommunisten verteidigt hatte in Angelegenkeiten, die nichts mit Politik zu tun hatten. Sein Fall wird vertreten durch die Nationalsozialistische Vereinigung der Kriegsinvaliden, die sehr an diesem Fall interessiert ist.68
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1936/37: Vorstand der Israelitischen Gemeinde Eisleben.15
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Annemarie G. weiß nur Gutes über ihre ehemaligen jüdischen Nachbarn zu erzählen., zu denen auch der Rechtsanwalt Dr. Königsberger gehörte, dessen Praxis sich am heutigen August-Bebel-Plan befindet. Dieser Mann, er wohnte in der Bahnhofstraße 8, war angesehen in der Stadt, daher erregte es Aufsehen, als die Nazis ihn und seine Familie zwangen, die Bahnhofstraße zu kehren. Die Königsbergers hatten es bis dahin nicht wahrhaben wollen, dass die Nazis auch sie behelligen würden. Unsere Leserin Frau St. erinnert sich: "Ich war mit Frau Jenny Königsberger befreundet. Sie hatte eine Schwester in den USA. Als sie das letzte Mal zu Besuch war, hat sie Jenny beschworen, doch unbedingt mit rüber zu kommen nach Amerika. Doch Jenny sagte: ´Uns kann doch nichts passieren. Mein Mann ist im Weltkrieg verwundet worden, er hat das EK I!´ Sie hatten sich so sicher gefühlt."34
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1938:
Vorstand und Repräsentant der Jüdischen Gemeinde in Eisleben bis zur Auflösung 1938.63

Das Reichsministerium der Justiz erließ am 07.04.1933 ein GEsetz über die "Zulassung zur Rechtsanwaltschaft". "Die Zulassung von Rechtsanwälten nichtarischer Abstammung kann zum 30.09.1933 zurückgenommen werden; dies gilt nicht für bereits seit dem 01. August zugelassene Anwälte und Frontkämpfer (des ersten Weltkrieges).

Dem Rechtsanwalt Dr. Königsberger wurde die Zulassung auf Grund seiner Teilnahme als Offizier an Ersten Weltkrieg und seiner Kriegsverletzung nicht entzogen. Jedoch wurde seine Arbeit sehr erschwert. Erst mit der Verordnung vom 27. September 1938 mußte auch er aus der Rechtsanwaltshaft ausscheiden.26

Auf Grund dessen, dass Dr. Ludwig Königsberger nicht mehr als Rechtsanwalt tätig sein konnte, wurde auch ihm finanziell geholfen. Auch Franziska Frank und Jankel Weissbrodt erhielten Hilfe durch die Wohlfahrtspflege. (97 40)

“Soweit die betreffenden Juden nicht in Konzentrationslager kamen, wurden sie zum Straßenkehren eingesetzt, wo sich gewisse Teile der Bevölkerung über sie lustig machten..." (11169)

"Die Familie Königsberger mußte an der “Bösen Sieben” die Bahnhofstraße fegen, der am Bein kriegsbeschädigte Dr. Königsberger schippte in der Gosse, seine Frau fegte die Hälfte der breiten schmierigen Straße und das schmale langgeschossene Töchterchen weinte plötzlich laut und ließ den Besen fallen. Die Mutter flehte das Mädchen an, ruhig zu sein. Der Jammer war nicht zu ertragen." (112 36)

"Von meinem Fenster unserer früheren Wohnung aus konnte ich nach oben die Grabenstraße überblicken Ich hörte Lärmen und Grölen. Ein Zug von Menschen kam die Grabenstraße herunter, sie zogen einen Wagen, neben ihm und hinter ihm grölende Menschen. Auf den Wagen stand ein junges Mädchen, dem sie die Haare abgeschnitten hatten. Ein Schild hatten sie ihr umgehängt: "Ich bin eine Judensau!" Es war die Tochter von Königsberger, ein bildhübsches Mädchen. Am selben Tag ging ich die Rammtorstraße hoch, rechts, gegenüber vom Park, war das Textilgeschäft von Bratel. Da hingen die Betten zum Fenster hinaus, aufgeschnitten, daß die Federn herausflogen." (113 69)
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1939:
Wohnung: Markt 39, Eisleben2
13. April 1939 Empfangsbestätigung
Es wird hierdurch bestätigt, dass Herr Dr. Königsberger, Eisleben, hier das "Register zum neuen Friedhof vor dem Freistraßentor" abgegeben hat.
[Unterschrift] Polizeinspektor.25
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1940/41: Nachdem der Grundbesitz von Juden in arischen Besitz übergegangen war, und vielen die Wohnungen gekündigt, blieb nur noch der Einzug in ein sogenanntes "Judenhaus". Auch in Eisleben gab es ein solches. Das Haus der Eheleute Bratel wurde zur letzten Zufluchtsstätte der noch ansässigen Juden. "... Zur Verfügung steht ein Wohngrundstück, das noch in jüdischem Besitz ist und zwar das Grundstück Rammtorstraße 49, das Herrn Jakob Bratel gehört. In dem Grundstück sind vorhanden im Erdgeschoß ein Laden, der noch in dem gleichen Zustand ist, wie er nach der November-Aktion 1938 war, d.h. er ist vollkommen zerstört. Es sind weder Fenster noch Türen vorhanden. ...”70 Hier mussten spätestens ab November 1941 die in Eisleben verbliebenen Juden einziehen. Weil Ludwig Königsberger dekorierter Kriegsteilnehmer war, durfte er mit seiner Familie und seinen Eltern statt in das überfüllte Judenhaus in eine Baracke im Kastanienweg 3b in Eisleben ziehen.

Um die Lage noch zu verschärfen, wurden alle zur Zwangsarbeit eingesetzt. " Am 19. November 1941 wurden 10 Juden und Jüdinnen der Stadt zur Straßenreinigung zwangsverpflichtet, unter ihnen auch Kranke und Greise im Alter von 73; 76 und 82 Jahren!" Bei Jakob Bratel, der 82jährig noch zur Zwangsarbeit herangezogen wurde, stellte der Vertrauensarzt "einen sehr starken allgemeinen Abbau, Krampfadern, Bruchanlagen und eine noch nicht geheilte Nierenbecken- und Blasenentzündung“ fest. Trotz alledem hielt ihn der Arzt halbtags für arbeitsfähig mit der Begründung: "...weil Juden anders behandelt werden müssen als die deutschen Volksgenossen". 33
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1942: Deportation und Ermordung
Nachdem am 21. Mai 1942 eine erneute Anfrage des RSHA an die Staatspolizei(leit)stellen wegen der Zahlen der noch in ihren Bezirken wohnenden Juden herausgegangen und bis zum 27. Mai 1941 beantwortet war, bestimmte das RSHA eine letzte Gruppe von Sonderzügen in den District Lublin genauer.
[...] Der Sonderzug von Kassel nach "Trawniki" war bereits für den 15. Mai 1942 vorgesehen, doch ein interner Vermerk der Reichsbahn trägt zu diesem Datum die nicht näher begründete Notiz "Ausfall". Er wurde schließlich am 1. Juni 1942 mit den neuen Ziel "Izbicia" verlegt.
Der Koppelzug "Da 57" beförderte 508 Juden aus dem Bezirk Kassel. [...]. Von dem Teiltransport, der aus Hanau am 30. Mai 1942 (Sonntag) nach Kasel abging, liegt eine Fotoserie mit 19 Aufnahmen vor.

In der zweiten Hälfte des Transportes befanden sich ungefähr 500 Juden aus den Bezirken Halle-Merseburg und Chemnitz, allein 155 Juden aus dem Gau Halle-Merseburg, darunter 131 Menschen aus dem Stadtgebiet von Halle und 24 Personen aus dem weiteren Bezirk. Der Internationale Suchdienst verzeichnet hier 2 Menschen aus Bitterfeld, 9 aus Eisleben, 2 aus Naumburg, 4 aus Weißenfels, 1 aus Paltzsch,2 aus Klostermansfeld, 2 aus Querfurt und 2 unbekannten Wohnorts.

Der Transport wurde in Lublin auf dem Nebengleis "selektiert". Dabei wurden etwa 98 bis 115 Männer im Alter zwischen 15 und 50 Jahren aus dem Transport ausgesucht und in das Lager Majdanek eingewiesen, wie ein Überlebender bezeugt hat. 71 Zu diesen gehörte auch Siegfried Moses, der Sohn von Johanna und Julius Moses aus Eisleben. Im Lager Majdanek überlebte er keine drei Monate. Er wurde am 27 September 1942 ermordet. Er war erst 17 Jahre alt.10

Vermutlich ist der Zug sodann direkt zu dem Vernichtungslager Sobibór geleitet worden.71 Dort kam er am 03. Juni 1942 an.3 Direkt von der Bahnsteigrampe aus ging es zum Lager II.10 Hier wurde der gesamte Besitz der Opfer gesammelt, sortiert und gelagert. Von diesem Lagerteil aus führte ein 150 Meter langer und drei bis vier Meter breiter Gang, der mit Stacheldraht und eingeflochtenen Tannenzweigen eingefasst war, zur Vernichtungsstätte im Lager III.

Im Lager III stand ein Steingebäude mit Gaskammern, in denen die bereits im Lager II entkleideten Opfer durch Motorabgase erstickt wurden. Die Ermordeten wurden von einem Arbeitskommando in einer Grube verscharrt, die 60 Meter lang und 20 Meter breit war. Im Lager III befanden sich Küche und Unterkünfte für die Arbeitshäftlinge, die streng abgeschirmt von den anderen Lagerteilen die Leichenbeseitigung erledigen mussten. Ab Sommer 1942 mussten die Arbeitskommandos die Leichen exhumieren und verbrennen, bevor sie selbst ermordet wurden.

Anfang Mai bis Ende Juli 1942 wurden wahrscheinlich bis zu 90.000 Juden „fabrikmäßig“ getötet. Im so genannten Höfle-Telegramm, in dem die Zahl der in den Vernichtungslagern Ermordeten weitergemeldet wird, werden für Sobibor zum Jahresende 1942 genau 101.370 getötete Juden summiert. In Sobibor wurden wahrscheinlich ausschließlich Juden ermordet. Eine genaue Bestimmung der Zahlen ist nicht möglich, da alle schriftlichen Unterlagen vernichtet wurden. Aussagen von polnischen Eisenbahnern und einzelne Zuglaufpläne erlauben grobe Schätzungen; diese Angaben liegen zwischen 150.000 bis 250.000 Opfer. Größtenteils handelte es sich hierbei um polnische Juden, doch wurden auch Holländer, Deutsche, Franzosen, Tschechen, Slowaken und sowjetische Staatsangehörige in Sobibor getötet.72
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see also 3 and 35
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Jenny Königsbergers Schwester in den USA hat später, als sie vom Schicksal ihrer Eisleber Verwandten erfuhr, die Kontakte zu den Bekannten im Mansfeldischen abgebrochen. Im letzten Brief schrieb sie, dass sie nun nichts mehr von den Deutschen wissen wolle.34
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2008:
Am 22. November verlegt der Künstler Gunter Demnig vor dem Haus Mark 39 in Eisleben drei Stolpersteine zum Gedenken an Ludwig, Jenny und Marietta Königsberger.10
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2009: In der “Central Database of Shoah Victims' Names” in Yad Vashem ist weder Ludwig Königsberger, noch seine Frau Jenny noch seine Tochter Marietta aufgeführt.1
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In Eisleben ist in der Nacht zum Dienstag der Eingangsbereich der Jüdischen Synagoge in der Lutherstraße mit Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen beschmiert worden, berichtet die Mitteldeutsche Zeitung/Merseburg-Querfurt. Außerdem sind drei Stolpersteine wiederholt mit schwarzer Farbe übersprüht worden. Die Polizei habe die Ermittlungen aufgenommen. Jutta Fischer, Oberbürgermeisterin von Eisleben, verurteilte die Schmierereien scharf. Die drei Stolpersteine in Eisleben erinnern an die Familie Königsberger. Wilhelm Königsberger besaß in Eisleben ein Konfektionsgeschäft, sein Sohn Ludwig arbeitete als Notar und Rechtsanwalt. Er war der letzte Repräsentant der Eisleber Jüdischen Gemeinde. Ludwig Königsberger, seine Frau Marietta und die Tochter Jenny starben im KZ Sobibor (Mitteldeutsche Zeitung, 11.03.2009, S. 8).73
Notes for Jenny Eckstein
Königsberger, Jenny
geb. Eckstein
* 27.10.1895 in Berlin
wohnhaft Eisleben
Deportation: ab Kassel-Halle-Chemnitz 01.06.1942, Izbica/Sobibor
Todesdaten: 03.06.1942, Distrikt Lublin13
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Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Jenny Koenigsberger (geb. Eckstein)
Geschlecht: weiblich
Geburt: 27. Okt. 1895 Lichterfelde, Berlin, Germany
Wohnsitz: Mai 1939 Eisleben, Germany
Ort der Deportation: Izbica, Sobibor
Tod: 3. Jun. 1942
Holocaust Victim: Yes
Haushalt
Name Alter
Wolf Koenigsberger 85
Recha Koenigsberger 72
Jenny Koenigsberger 43
Marietta Koenigsberger 1374
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In der Staatsexamensarbeit (C. Krause, S. 191, werden Personen aus Eisleben genannt, die jeweils ein Opernglas abgegeben haben (1942?): Jenny Sara Königsberger, Kastanienweg 3b; Dr. Ludwig Israel Königsberger, wie zuvor; Georg Israel Schottländer, Markt 54; S. 195: Abgabe eines Fotoapparates von Jenny Sara Königsberger. 75
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Annemarie G. weiß nur Gutes über ihre ehemaligen jüdischen Nachbarn zu erzählen., zu denen auch der Rechtsanwalt Dr. Königsberger gehörte, dessen Praxis sich am heutigen August-Bebel-Plan befindet. Dieser Mann, er wohnte in der Bahnhofstraße 8, war angesehen in der Stadt, daher erregte es Aufsehen, als die Nazis ihn und seine Familie zwangen, die Bahnhofstraße zu kehren. Die Königsbergers hatten es bis dahin nicht wahrhaben wollen, dass die Nazis auch sie behelligen würden. Unsere Leserin Frau St. erinnert sich: "Ich war mit Frau Jenny Königsberger befreundet. Sie hatte eine Schwester in den USA. Als sie das letzte Mal zu Besuch war, hat sie Jenny beschworen, doch unbedingt mit rüber zu kommen nach Amerika. Doch Jenny sagte: ´Uns kann doch nichts passieren. Mein Mann ist im Weltkrieg verwundet worden, er hat das EK I!´ Sie hatten sich so sicher gefühlt."34
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2008: Am 22. November 2008 verlegte der Künstler Gunter Demnig vor dem Haus Mark 39 in Eisleben drei Stolpersteine zum Gedenken an Ludwig, Jenny und Marietta Königsberger.10
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2009: In der “Central Database of Shoah Victims' Names” in Yad Vashem ist weder Ludwig Königsberger, noch seine Frau Jenny noch seine Tochter Marietta aufgeführt.1
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Last Modified 22 Nov 2018Created 11 Dec 2018 using Reunion for Macintosh
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