Family Group Sheet
Family Group Sheet
NameJacob Bratel1,2,13
Birth28 Mar 1869, Lemberg Galizien, (Lwiw, UA)2,13,14
Deported20 Sep 1942, Leipzig-Theresienstadt13 Age: 73
Death19 Jan 1943, Ghetto Theresienstadt1,3,13 Age: 73
Stolperstein26 Jul 2010, Eisleben, Rammtorstr. 49 Age: 141
Religionmosaisch2
OccupationKaufmann2,15
BusinessWeißwarenhandlung, Rammtorstr. 49, Eisleben15
1901Rammtorstr. 49, Eisleben (Hauseigentümer)15
1904Kaufmann, Rammtorstr. 4916
1912/13Rammtorstr. 49, Eisleben (Hauseigentümer)17
1929/30Posamenten und Wollwaren, Rammtorstr 49, Eisleben18
Adr. bef. 1933Rammtorstr. 49, Eisleben (1933)19
1936/37Rammtorstr. 49, Eisleben (Hauseigentümer)20
Zensus 38/39#19, Eisleben, Rammtorstr., 12,-RM Kopfsteuer21
Adr. 1939Rammtorstr. 49, Eisleben2,13
Adr. 1939ffBoelckestr. 24, Halle a.d. Saale10
MotherMarie “Marjem” Gut (1839-1898)
Marriage17 Jun 1907, Eisleben22,14
SpouseMartha Goldstein1,2,3,13
Birth4 Oct 1886, Roßla, Stolberg3,2,14
Deported20 Sep 1942, Leipzig-Theresienstadt13 Age: 55
Deathaft 29 Jan 1943, KZ Auschwitz3,13 Age: 56
Stolperstein26 Jul 2010, Eisleben, Rammtorstr. 49 Age: 123
Religionmosaisch2
OccupationEhefrau2
Adr. bef. 1933Rammtorstr. 49, Eisleben9
1936/37Rammtorstr. 49, Eisleben10
Adr. 1939Rammtorstr. 49, Eisleben2,13
Adr. 1939ffBoelckestr. 24, Halle a.d. Saale3
FatherHermann Goldstein (ca1858-1907)
MotherRosa Isenberg (1858-1935)
Children
Birth25 Dec 1917, Eisleben6,5
Death19 Jul 1944, Châtillon, Dep. Rhône, Frankreich1,4,7 Age: 26
Notes for Jacob Bratel
Around 1850 my paternal great grandfather lived in Lemberg, which was then in the east of the Austro-Hungarian empire, was Lwow as part of Poland between WW I & II, and is now part of Ukraine (and called Lviv). His children were Hermann (my grandfather), Samuel, Golde, Gietel, Jacob and Marcus. 23
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BIOGRAFIE

1870: Die Eltern Pincus und Marie Bratel ziehen von Lemberg, das zu dieser Zeit zu Österreich-Ungarn gehört, nach Eisleben.24
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1896: Am 19. März verstirbt der Vater Pinkus Bratel mit erst 58 Jahren. Das Verzeichnis den neuen jüdischen Friedhofes gibt als Todesursache Magenkrebs an.25 2001 entziffert Maxi Wendt den verwitterten Grabstein mit “Brohl, Pinius, gest. 1896”26
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1897: Am 9. März schreibt Marie Bratel an die Eisleber Polizeiverwaltung: “In der Hausentschädigungssache der Mansfelder Gewerkschaft beantrage ich hiermit, mein Haus Rammthorstrasse 49 durch eine Baucomission [...] untersuchen lassen zu wollen, da sich an demselben bedeutende Risse in allen Teilen bemerkbar machen [...].” Später interveniert der Sohn, wohl Jacob Bratel, in dieser Angelegenheit bei den Behörden.27
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1898: Am 12. Mai verstirbt die Mutter Marie Bratel, geb. Gut, mit 59 Jahren. Das Verzeichnis den neuen jüdischen Friedhofes gibt als Todesursache “Lungenentzündung infolge von Influenza” an.25 Der Grabstein ist heute noch auf dem Friedhof zu finden, die Inschrift ist aber stark verwittert und kaum noch zu erahnen.10
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1899: Am 4. August beantragt Jacob Bratel die “Vergrößerung des Verkaufsladens”.27
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1900: Am 23. Dezember stirbt der ältere Bruder Samuel in Thale, wo er wohl zu einer Kur war, an einer Lungenentzündung mit erst 36 Jahren. Jacob Bratel läßt den Leichnam nach Eisleben überführen und bestattet ihn am 26. Dezember. Im Register des neuen jüdischen Friedhofes wird Samuel als Pflegling bezeichnet. Als Ort der Bestattung wurde zuerst “Thale” notiert. Das wurde dann durchgestrichen und es wurde die Grabstelle auf dem Neuen jüdischen Friedhof in Eisleben eingetragen.25 Damals war es wohl unüblich, den Verstorbenen so weit zu transportieren.10 Das Grab wurde 2001 schon nicht mehr gefunden.28
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1903: Am 10. Februar beantragt Jacob Bratel den Neubau eines dreigeschossigen Anbaus auf dem Grundstück Rammtorstraße 49 auf der Seite zur Gasse hin. Im Erdgeschoss ist ein Waschhaus, im 1. Obergeschoss ein Lager und im 2. Obergeschoss eine kleine Kammer mit Bad.27
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1907: Aufgebot: 10.06.190729
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1912: Repräsentant der Israelitischen Gemeinde15
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1927: Am 2. Februar ersucht Jacob Bratel die Eisleber Polizeiverwaltung um die “Erlaubnis zur Anbringung einer Markise”. Die Genehmigung wird erteilt. Einige Zeit später notiert ein Beamter, dass die Markise noch nicht angebracht sei, dies aber bald geplant sei.27
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1929: Repräsentant der Israelitischen Gemeinde Eisleben.15
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1936: Repräsentant der Israelitischen Gemeinde Eisleben.15
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1938: Die Eheleute Bratel waren vom 2. Februar 1938 bis Ende Dezember 1938 im KZ Buchenwald interniert.30
“Am selben Tag [wohl 10.November 193810] ging ich die Rammtorstraße hoch, rechts, gegenüber vom Park, war das Textilgeschäft von Bratel. Da hingen die Betten zum Fenster hinaus, aufgeschnitten, dass die Federn herausflogen." 31
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1941: Nachdem der Grundbesitz von Juden in arischen Besitz übergegangen war, und vielen die Wohnungen gekündigt, blieb nur noch der Einzug in ein sogenanntes "Judenhaus". Auch in Eisleben gab es ein solches. Das Haus der Eheleute Bratel wurde zur letzten Zufluchtsstätte der noch ansässigen Juden.

"... Zur Verfügung steht ein Wohngrundstück, das noch in jüdischem Besitz ist und zwar das Grundstück Rammtorstraße 49, das Herrn Jakob Bratel gehört. In dem Grundstück sind vorhanden im Erdgeschoß ein Laden, der noch in dem gleichen Zustand ist, wie er nach der November-Aktion 1938 war, d.h. er ist vollkommen zerstört. Es sind weder Fenster noch Türen vorhanden. ... Im Erdgeschoß befindet sich ferner neben dem Laden ein großes Zimmer, ein kleines Zimmer (etwa 2 ½ x 2 ½) und eine noch kleinere Küche, die von der Familie Julius Moses (3 Personen- Verf.) bewohnt werden. In 1. Stockwerk wohnt der Hauseigentümer Herr Bratel mit seiner Ehefrau und deren Onkel Herr Isenberg. Sie bewohnten dort bisher ein Zimmer etwa 6 x 5 m, ein Zimmer etwa 3 x 3 m, ein Zimmer etwa 3 x 2 m und ein Schlafzimmer sowie eine Küche. Im zweiten Stockwerk hat die Witwe Dora Moses ein Zimmer etwa 3,2 x 3,2 m und eine Kammer etwa 3 x 2 m inne.“
(Brief von Leo Hirsch an die Bezirksstelle Sachsen-Thüringen der Reichsvereinigung der Juden vom 4. November 1941)

Ferner mussten die Eheleute Königsberger, Katzenstein und Mosbach sowie die Familie Dr. Ludwig Königsberger dort untergebracht werden, nachdem man sie aus ihren alten Wohnungen verwiesen hatte. [Anmerkung: Die Familie Ludwig Königsberger zog wahrscheinlich nicht in die Rammtorstraße 49 sondern in den Kastanienweg.10]

Um die Lage noch zu verschärfen, wurden alle zur Zwangsarbeit eingesetzt.26 "Am 19. November 1941 wurden 10 Juden und Jüdinnen der Stadt zur Straßenreinigung zwangsverpflichtet, unter ihnen auch Kranke und Greise im Alter von 73; 76 und 82 Jahren!" Insgesamt lebten in diesem Jahr noch 17 Juden in Eisleben.32 Bei Jakob Bratel, der 82jährig noch zur Zwangsarbeit herangezogen wurde, stellte der Vertrauensarzt "einen sehr starken allgemeinen Abbau, Krampfadern, Bruchanlagen und eine noch nicht geheilte Nierenbecken- und Blasenentzündung“ fest. Trotz alledem hielt ihn der Arzt halbtags für arbeitsfähig mit der Begründung: "...weil Juden anders behandelt werden müssen als die deutschen Volksgenossen". 33
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1942:
Dem Oberbürgermeister der Stadt wurde von der Gestapo am 14. April 1942 mitgeteilt, dass sich sämtliche jüdischen Zwangsarbeiter mit Ausnahme der Eheleute Bratel am nächsten Tag zwecks Abtransports in Halle zu melden hätten. Letztere sollten in ein Altersheim in Halle eingewiesen werden, doch “die Eheleute Bratel seien bis zu ihrer Abberufung moch zur Arbeit heranzuziehen”. Der OB kam der Weisung nach und erklärte: “Die Eheleute Bratel ... sind weiter zu beschäftigen.”32

Und was wurde aus den Juden, die in Eisleben geblieben sind? Zuletzt waren es nur noch etwa zehn. zusammengepfercht in einer kleinen Wohnung in der Hirtengasse. Von diesen Menschen überlebte nur einer: Jochen Bratel. Über das Schicksal der anderen ist nichts bekannt. Frau St. versucht sich zu erinnern: "In der Hirtengasse wohnte Frau Pachel, die hat den Juden immer heimlich Lebensmittel gebracht. Sie hat mir erzählt, dass eines Morgens, etwa 5 Uhr, die letzten Juden abgeholt wurden. Frau Pachel hat das von ihrem Fenster aus durch die Gardine gesehen und erzählt, wie grauenvoll es war.
Jahre später, etwa 1947, erhielt der Sohn von Frau Pachel dann Post aus Frankreich. Jochen Bratel schrieb, dass er als einziger der letzten Eisleber Juden überlebt habe. Er bedankte sich noch einmal bei Frau Pachel für die erwiesene Hilfe.34

Anmerkung: Bei “Jochen Bratel” handelt es ich vermutlich um Hans alias Jean Bratel, der schon Mitte der 1930er Jahre nach Frankreich ging.10
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Siehe auch Gedenkbuch Halle35
Notes for Martha Goldstein
Aufgebot: 10.06.190729
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1938: Die Eheleute Bratel waren vom 02. Februar 1938 bis Ende Dezember 1938 im KZ Buchenwald interniert. “Am selben Tag ging ich die Rammtorstraße hoch, rechts, gegenüber vom Park, war das Textilgeschäft von Bratel. Da hingen die Betten zum Fenster hinaus, aufgeschnitten, dass die Federn herausflogen." (113 36)
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Siehe auch: Gedenkbuch Halle35
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Last Modified 14 Nov 2018Created 11 Dec 2018 using Reunion for Macintosh
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