Family Group Sheet
Family Group Sheet
NameMax Bluhm1,159,13
Birth30 Mar 1886, Groß Sibsau, Schwetz, (Bzowo, Warlubie)1,159,13,160
Deported1 Jun 1942, Halle-Sobibor13 Age: 56
Death3 Jun 1942, Vernichtungslager Sobibor1,13 Age: 56
Stolperstein21 Nov 2008, Chausseestr. 33, Klostermansfeld Age: 122
Religionmosaisch159,21,19
OccupationKaufmann159
Businessca 1923, “Gebrüder Bluhm” (Bekleidungs- und Schuhgeschäft), Chausseestr. 33 (ehemals Hermann-Göring-Str. 33), Klostermansfeld (seit 1922/23)161,162,163
Adr. bef. 1933Chausseestr. 33 (ehemals Hermann-Göring-Str. 33), Klostermansfeld (seit 1922/23)10,162
Zensus 38/39#13, Klostermannsfeld, 144.-RM21
Adr. 1939Chausseestr. 33 (ehemals Hermann-Göring-Str. 33), Klostermansfeld (seit 1922/23)159,62,162
Adr. 1939ffBis Mai 1942 in Klostermansfeld dann Halle a.d. Saale13,108,163
FatherVictor Bluhm I. (1841-1912)
MotherAuguste Conitzer (1846-1919)
SpouseLotte Minna Weissfeldt1,13,159
Birth20 Jun 1889, Zempelburg, Landkreis Flatow, Westpreußen1,159,13
Deported1 Jun 1942, Halle-Sobibor13 Age: 52
Death3 Jun 1942, Vernichtungslager Sobibor1,13 Age: 52
Stolperstein21 Nov 2008, Chausseestr. 33, Klostermansfeld Age: 119
Religionmosaisch159
OccupationEhefrau159
Businessca 1923, “Gebrüder Bluhm” (Bekleidungs- und Schuhgeschäft), Chausseestr. 33 (ehemals Hermann-Göring-Str. 33), Klostermansfeld (seit 1922/23)162,163
Adr. bef. 1933Chausseestr. 33 (ehemals Hermann-Göring-Str. 33), Klostermansfeld (seit 1922/23)162
Adr. 1939Chausseestr. 33 (ehemals Hermann-Göring-Str. 33), Klostermansfeld (seit 1922/23)159,162
Adr. 1939ffBis Mai 1942 in Klostermansfeld dann Halle a.d. Saale163
FatherJakob Weissfeldt (1855-1930)
MotherFlora Veigele (?) Neumann (1848-1926)
Military notes for Max Bluhm
Soldat im 1. Weltkrieg160
Notes for Max Bluhm
Bluhm, Max
* 30. März 1886 in Groß Siebsau , wohnhaft Klostermansfeld
Deportation: ab Kassel - Halle - Chemnitz 01. Juni 1942, Izbica/Sobibor
Todesdaten: 03. Juni 1942, Distrikt Lublin13
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Das Schicksal von Max und Lotte Minna Bluhm aus Klostermansfeld

I. Max Bluhm wird am 30. März 1886 in Groß Siebsau (Westpreußen) geboren. Er ist das jüngste Kind unter zwölf Geschwistern. Lotte Minna Weissfeld wird am 20. Juni 1889 in Zempelburg (Westpreußen) geboren. Wie Max Bluhm stammt sie aus einer religiösen jüdischen Familie. Das Ehepaar Bluhm bekommt keine eigenen Kinder. Im Ersten Weltkrieg kämpft Max Bluhm als deutscher Soldat und erhält das Eiserne Kreuz erster Klasse. Der Bruder von Lotte Minna, Adolf Weissfeldt, kämpft ebenfalls auf deutscher Seite und fällt 1915 „für das Vaterland“. Nachdem durch den Versailler Vertrag große Teile Westpreußens 1920 zu Polen kommen, wandert die Familie Bluhm nach Deutschland aus. Max und Lotte Minna Bluhm ziehen zunächst nach Berlin, dann über Halle nach Klostermansfeld.

II. Im Jahr 1922/23 erwirbt die Familie Bluhm das Haus Nummer 33 in der Chausseestraße (später Hermann-Göring-Straße). Sie errichtet ein Bekleidungs- und Schuhgeschäft „Gebrüder Bluhm“. Das Geschäft ist allgemein gut angesehen. Bergarbeiter können anschreiben lassen. Herr Bluhm beteiligt sich am gesellschaftlichen Leben des Ortes, besucht den Kegelclub, ist u.a. befreundet mit der Familie Kelsch, die im selben Jahr eine Bäckerei gegründet haben. Die Eheleute Max und Lotte Minna Bluhm sind als Mitglieder der jüdischen Synagoge in Eisleben eingetragen. Noch 1949 erkundigt sich die Schwester von Max Bluhm nach „den Eislebner Glaubensbrüdern u Schwestern“.

III. Bei den Reichtagswahlen 1932 erhält im Mansfelder Gebirgskreis die NSDAP am 31. Juli mit 42,2 % und am 6. November mit 33,1% jeweils die relative Mehrheit. Am 30. Januar 1933 wird Hitler zum Reichskanzler ernannt. Unter den Nationalsozialisten wird am 29. März 1933 ein „Zentralkomitee zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykotthetze“ gebildet und für den 1. April 1933 zum Boykott gegen die Juden aufgerufen. An diesem Sonnabend werden ab 10 Uhr vormittags Wachen der SA und SS vor die registrierten jüdischen Geschäfte gestellt. Auch vor dem Bluhmschen Haus stehen ab diesem Tag zwei ortsansässige SA-Männer. Dem Geschäft gegenüber wird ein Schild aufgestellt mit der Aufschrift: „Wer bei Juden kauft, ist ein Volksverräter!“ Personen, die trotz dieser Warnung in das Geschäft gehen, werden fotografiert. Die Fotos werden dann während der Abendveranstaltung im örtlichen Kino gezeigt: Diese Bürger unseres Ortes haben beim Juden gekauft!

IV. Am Abend des 9. November 1938 findet ein Fackelumzug durch Klostermansfeld statt. Er endet vor dem Haus der Familie Bluhm. Die Schaufensterscheiben werden kaputtgeschlagen und das Geschäft teilweise geplündert. Frau Bluhm habe regungslos am (im?) Haus gestanden und immer wieder gerufen: „Wir haben doch nichts Böses getan ...“ In den Folgetagen werden die Schaufenster zugenagelt. Die Bluhms müssen für die Schäden am und vor dem Haus selbst aufkommen, die durch den „Ausbruch gesunden Volkszorns“ (Goebbels) entstanden sind. Im Ort zeigt sich Herr Bluhm fortan „richtig ängstlich“. In Leipzig stirbt der Bruder Arnold Bluhm an den Folgen der Pogromnacht.

V. Das Geschäft darf nicht wieder geöffnet werden. Immer seltener zeigt sich Herr Bluhm in der Öffentlichkeit. In der Bäckerei sagt er, er könne nicht mehr kommen, weil er im Ort angepöbelt werde. Die Einkäufe übernimmt seit Anbruch des Krieges Herr Bormann (gest. 1993). Ab Juni 1940 muss der 54jährige Max Bluhm von Sonntagabend bis Samstagmittag schwerste Zwangsarbeit in Halle leisten. Für die Fahrt nach Halle braucht er Sonder-genehmigungen. Verpflegt und untergebracht wird er wahrscheinlich von der Synagogen-gemeinde in Halle. Zunächst arbeitet Max Bluhm im Hüttenwerk Halle-Trotha, Brachwitzer-Str. 9, später im Reichsautobahnbau (gemeldet am 29. Oktober 1940). Da das Ehepaar keine Kinder hat, ist zu vermuten, dass Frau Bluhm ebenfalls zum Arbeitsdienst eingesetzt wurde. Seit dem 01. September 1941 besteht Kennzeichnungspflicht für Juden. Herr Bluhm trägt neben dem „Gelben Stern“ demonstrativ das Eiserne Kreuz.
Das Schicksal von Max und Lotte Minna Bluhm aus Klostermansfeld


VI. Am 11. April 1942 erhält das Ehepaar Bluhm zusammen mit 153 jüdischen Personen die Mitteilung, sie werden auf „Abwanderung“ gehen. Der Begriff „(Ab-) Wanderung“ umschreibt im Nazi-Jargon die Deportation. Mitte April müssen sie sich in Halle zur Registrierung einfinden und eine detaillierte Auflistung ihres Besitzes einreichen. Am 30. Mai 1942 trifft das Ehepaar Bluhm in Halle ein. Sie werden am 01. Juni mit einem Transport aus Kassel, der 509/1000 Personen umfasst, über Chemnitz und das KZ Izbica in das Vernichtungslager Sobibor deportiert. Insofern sie nicht schon auf der Reise den Strapazen erlegen sind, werden sie am 3. Juni unmittelbar nach der Ankunft mit Kohlenmonoxid vergast.
Max Bluhm wird im Alter von 56 Jahren ermordet,
seine Frau im Alter von 54 Jahren.

Quellen:
• 300 Jahre Juden in Halle. Leben – Leistung – Leiden – Lohn, hg. von der Jüdischen Gemeinde zu Halle, Mitteldeutscher Verlag, Halle 1992.
• Briefe von Rosalie Schustak geb. Bluhm an Familie Joseph Adamczky vom 27.10.1946, 01.03.1949 und 06.03.1950
• Bundesarchiv Gedenkbuch Berlin
• Kleiderbügel mit Aufschrift „Gebr. Bluhm, Klostermansfeld“ (Heimatverein Klostermansfeld)
• Krause, C., Zur Geschichte der Juden in Halle 1933-1945. Der Prozeß der Ghettoisierung. Vom Boykott zum Judenhaus, Staatsexamensarbeit Halle 1992.
• Statistisches Reichsamt (Hg.), Statistik des Deutschen Reiches, Bd. 434, Berlin 1935.
• Transportliste Leipzig Archiv Nr. 2/66
• Trauerurkunde privat (zukünftig: Archiv Zentrum Judaicum Berlin)
• Yad Vashem, Gedenkblatt von John Henry Richter vom 31.07.1970
• Zeugenaussagen

Verfasser: Friedemann Krumbiegel, Blumenstr. 17, 06108 Halle (09.11.08)162
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Meine Großeltern (Joseph und Katharina Adamtschek haben während des Krieges der Familie Bluhm geholfen, sie bei Nacht und Nebel mit Essen versorgt und haben eine Bibel zur Aufbewahrung von der Familie Bluhm bekommen. Meine Großmutter hat sie aufbewahrt ihr ganzes Leben lang. Im hohen Alter hat sie meine Mutter bekommen. Meine Mutter ist über 88 und hat die Bibel nun mir anvertraut um sie in die jüdische Gemeinde einzubringen.164
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Max Bluhm wurde 1886 in Undeciphered geboren. Er war der Sohn von Victor und Auguste, geb. Conitzer. Er war Geschäftsmann und verheiratet mit Lotte. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebte er in Berlin, Germany. Während des Krieges war er in Klostermansfeld, Germany. Max starb im Jahr 1942 in der Schoah im Alter von 56. Quelle dieser Informationen: Gedenkblatt, eingereicht von: Verwandte/-r.

Quelle: Gedenkblätter
Nachname: BLUHM
Nachname: BLUM
Vorname: MAX
Vorname des Vaters: VICTOR
Vorname des Vaters: VIKTOR
Vorname der Mutter: AUGUSTE
Vorname der Mutter: AUGUSTA
Geburtsname der Mutter: CONITZER
Geburtsname der Mutter: KUNITZER
Geschlecht: männlich
Geburtsdatum: 30/03/1886
Alter: 56
Geburtsort: UNDECIPHERED, GERMANY
Familienstand: verheiratet
Vorname des Ehepartners: LOTTE
Vorname des Ehepartners: LOTE
Ort des ständigen Wohnsitzes: BERLIN,BERLIN,BERLIN,GERMANY
Ort des ständigen Wohnsitzes: HALLE,ANHALT,GERMANY
Ort des ständigen Wohnsitzes: KLOSTERMANSFELD,MERSEBURG,SAXONY PROV.,GERMANY
Beruf: Geschäftsmann
Aufenthaltsort während des Krieges: KLOSTERMANSFELD,MERSEBURG,SAXONY PROV.,GERMANY
Todesdatum: 1942
Nachname des Einsenders: RIKHTER
Vorname des Einsenders: JOHN
Vorname des Einsenders: HENRY
Beziehung zum Opfer: Verwandte/-r1
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In Klostermansfeld befand sich in der Chausseestraße neben dem sogenannten Flutgraben das Textilgeschäft der jüdischen Familie Blum. Einige Tage nach der Reichsprogromnacht im November 1938 erschien einer meiner Mitschüler außergewöhnlich elegant und vollständig neu eingekleidet in der Schule. Wir staunten nicht schlecht und wunderten uns sehr, denn wir konnten uns derart teure Kleidung nicht leisten. So erzählte er uns, daß er in der Nacht des 9. Novembers mit zahlreichen weiteren Leuten vor dem Textilgeschäft in der Chausseestraße gewesen sei und zugeschaut habe, wie einige Männer aus der Menge die Schaufensterscheiben einschlugen, mit Gewalt in das Geschäft eindrangen und versuchten, dort Feuer zu legen. Die Feuerwehr sei bereits vor Ort gewesen und hätte untätig zugeschaut, und man habe nach dem Juden Blum gerufen, der jedoch schon geflüchtet war. Das Geschäft sei dann geplündert worden und er selbst hätte sich auf diese Weise mit neuer Kleidung versorgen können. In den folgenden Tagen wurde dann auch von ähnlichen Ereignissen in Eisleben erzählt, wo in der gleichen Nacht das Warenhaus Goldstein gestürmt und geplündert worden war. [....]
Friedrich Guerge: “Persönliche Erinnerungen von Friedrich Gürge aus Klostermansfeld.”161
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Zwangsarbeit von Juden in Halle:
Hüttenwerke Halle->Trotha, Brachwitzer Str. 9
Bluhm, Max, Klostermansfeld ab Juni 1940
Reichsautobahnbau /gemeldet 29.10.1940:
Bluhm, Max, Klostermansfeld62
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see also: 35
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410404a-010 ej Bluhm, Max Breslau 10.11.1923 Pfundtner/Berlin 165
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Am Freitag hat Gunter Demnig in Klostermansfeld die ersten beiden Stolpersteine im Mansfelder Land in den Gehweg eingelassen. Sie erinnern an das Schicksal der Eheleute Lotte-Minna und Max Bluhm, die in der Chausseestraße 33 ein Textil- und Schuhgeschäft besaßen und 1942 deportiert worden sind. "Das waren sehr freundliche Leute", erinnert sich Fritz Kelsch (83), der wie seine Frau Rita (83) die Bluhms noch gekannt hat. Die Erinnerung an diese jüdische Familie soll bewahrt werden. (...)166
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Ortsname: Groß Sibsau
Namensvariationen: Groß Sibsau, Hollendorf (ab 25.06.1942)
Polnischer Ortsname: Bzowo
Status: Landgemeinde
Landkreis: Schwetz
Regierungsbezirk: Marienwerder
Amtsbezirk: Groß Sibsau
Amtsgericht: Neuenburg
Standesamt: Groß Sibsau
Evangelische Kirche: Warlubien
Katholische Kirche: Sibsau
Einwohner: 1905: 729
1910: 620167
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Notes for Lotte Minna Weissfeldt
Bluhm, Lotte Minna, geb. Weißfeld
* 20. Juni 1889 in Zempelburg , wohnhaft Klostermansfeld
Deportation: ab Kassel - Halle - Chemnitz 01. Juni 1942, Izbica/Sobibor
Todesdaten: 03. Juni 1942, Distrikt Lublin13
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Lotte Bluhm, geb. Weissfeld wurde 1890 in Zempelburg geboren. Sie war verheiratet mit Max. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebte sie in Kloster, Czechoslovakia. Während des Krieges war sie in Kloster, Czechoslovakia. Lotte starb im Jahr 1942 in Auschwitz, Camp im Alter von 52. Quelle dieser Informationen: Gedenkblatt, eingereicht von: Verwandte/-r.
Nachname: BLUHM
Nachname: BLUM
Vorname: LOTTE
Vorname: LOTE
Geburtsname: WEISSFELD
Geburtsname: VEISFELD
Geschlecht: weiblich
Geburtsdatum: 1890
Alter: 52
Geburtsort: ZEMPELBURG,SEPOLNO,POMORZE,POLAND
Familienstand: verheiratet
Vorname des Ehepartners: MAX
Ort des ständigen Wohnsitzes: KLOSTER,PRESTICE,BOHEMIA,CZECHOSLOVAKIA
Aufenthaltsort während des Krieges: KLOSTER,PRESTICE,BOHEMIA,CZECHOSLOVAKIA
Todesort: AUSCHWITZ,Camp
Todesdatum: 1942
Nachname des Einsenders: RICHTER
Vorname des Einsenders: JOHN
Vorname des Einsenders: HENRY
Beziehung zum Opfer: Verwandte/-r1
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Last Modified 14 Nov 2018Created 11 Dec 2018 using Reunion for Macintosh
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